Also ich habe gerade kein Klima-Problem, du etwa? Eher beneide ich angesichts der Kälte in Deutschland meine Mutter samt Tochter, Enkel und Urenkel im sonnig warmen Südafrika. Am Video-Telefon versucht meine Schwester krampfhaft, ihr Mitleid mit mir und allen Menschen im eisigen Deutschland zu verbergen. So scheint es mir wenigstens, wenn sie mich am Bildschirm so lebensfroh anstrahlt. Vielleicht ist es aber auch nur ihre Freude darüber, diesem Elend entkommen zu sein 😉
Darüber hinaus bin ich, wie wir wohl alle, ermüdet von den endlosen Berichten über das menschengemachte Elend der Kriege in der Ukraine, Gaza und dem Sudan im vergangenen Jahr. Ich will eigentlich gar nicht mehr hinschauen. Meiner Empörung – aufgrund der kulturellen Nähe! – über das unmenschliche Vorgehen des israelischen Militärs mag ich gar nicht mehr Ausdruck verleihen. Wen interessiert’s auch? Den Russland-Verbundenen unter den Lesern mag es entsprechend ähnlich gehen.
Wer will da noch von der ebenfalls menschengemachten Klimakrise reden? Mir scheint, das Wort „Klimawandel“ führt in sich schon die falsche Wahrnehmung, die Veränderung sei ähnlich zu begreifen wie die das Klima wandelnden Jahreszeiten, also zum Beispiel, dass es gegen Ende des Jahres in Deutschland draußen ungemütlicher wird – eher kalt, nass und dunkel anstatt warm, trocken und hell. Aber zum Glück haben wir ja unser gemütliches Zuhause, das uns schützt bis zum nächsten Frühling, auf den wir uns alle freuen dürfen!
Leider ist das mit der Klimakrise anders, wie der anschließend erwähnte und zitierte Artikel renommierter Fachleute verrät – aber eigentlich kennt ihr das ja längst. Klimawandel ist keine vorübergehende oder periodisch schwankende Erscheinung, sondern geht nur in eine Richtung, nämlich bergab: Es wird zunehmend heißer und gefährlicher! Und wir können das Schlimmste nur verhindern, wenn wir rechtzeitig auf die CO2-Bremse treten, denn der Bremsweg unseres „Tankers“ ist sehr lang!
So schreiben z.B. die Autoren in diesem Artikel des Magazins BioScience im Oktober 2025 (hier als PDF) :
Wir rasen auf ein Klimachaos zu. … Die Folgen der vom Menschen verursachten Veränderungen des Klimas sind keine zukünftigen Bedrohungen mehr, sondern bereits Realität. Diese sich zuspitzende Krise ist die Folge von mangelnder Voraussicht, politischer Untätigkeit, nicht nachhaltigen Wirtschaftssystemen und Fehlinformationen. Fast jeder Bereich der Biosphäre leidet unter zunehmender Hitze, Stürmen, Überschwemmungen, Dürren oder Bränden. Das Zeitfenster, um die schlimmsten Folgen zu verhindern, schließt sich rapide. … Steigende Treibhausgaskonzentrationen sind weiterhin die treibende Kraft hinter dieser Eskalation. Diese jüngsten Entwicklungen unterstreichen die extreme Unzulänglichkeit der globalen Bemühungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und markieren den Beginn eines düsteren neuen Kapitels für das Leben auf der Erde.
In diesem Bericht möchten wir uns offen an unsere wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen, an politische Entscheidungsträger und an die gesamte Menschheit wenden. Angesichts unserer Rolle in Forschung und Hochschulbildung tragen wir eine gemeinsame ethische Verantwortung, vor den eskalierenden globalen Risiken zu warnen und gemeinsam entschlossen und mit Klarheit gegen sie vorzugehen.
Aber lest selbst! Habe ich mich in den letzten Monaten über den rasanten, ja exponentiellen Anstieg im Bereich Solar und Wind zur Stromerzeugung weltweit gefreut, so muss ich doch leider feststellen, dass dies dem Wachstum bei der Nutzung fossiler Brennstoffe insgesamt bislang keinerlei Abbruch getan hat, wie in Figure 1 h. zu erkennen ist. Und dem entsprechend nahmen und nehmen auch die jährlichen CO2-Emissionen immer noch zu, anstatt drastisch abzusinken, wie es ein rechtzeitiges Abbremsen besagten Tankers erfordert. (Figure 1 j.)
Tja, was machen wir da? Ich denke immer noch, es ist zunächst wichtig, vor der eigenen Türe zu kehren, sowohl was diejenigen CO2-Emissionen angeht, die wir direkt beeinflussen können als auch – vielleicht noch wichtiger – wie wir darüber denken und vor allem mit anderen reden! Jeder kann ja weitgehend selbst bestimmen, wie viel CO2-Emissionen seine bzw. ihre Mobilität verursacht, sei es im Auto, im Flugzeug oder auf dem Schiff. Die etwas betuchteren können darüber hinaus auch den CO2-Ausstoß ein für alle Mal beenden, den sie für Heizung und Warmwasser ihres Zuhauses verantworten. Gestern lief mir ein gewisser Herr Konfuzius über den Weg, der vor über 2500 Jahren feststellte: Es hängt von uns selbst ab, das Rechte zu tun. Oder muss man sich dabei etwa auf andere verlassen? Politiker zum Beispiel. Die wissen auch, dass die Emissionen für Verkehr und Gebäudeheizung in den letzten Jahrzehnten nicht so gesunken sind wie notwendig zur Einhaltung der Klimaziele. Die verkehrsbedingten Emissionen haben seit 1990 sogar zugenommen, wie ich unlängst vernahm! Aber sie sind ängstlich, dem Land zuzumuten, was längst überfällig ist. Leider ist ihre Sorge um eine Abwahl nur allzu berechtigt, wie die letzte Bundestagswahl bewies. Wie in anderen Bereichen der Politik müssen also auch hier engagierte Bürger den Politikern aktiv auf die Sprünge helfen. Es gibt eine Menge von ihnen, die darauf warten!
Wer sich weitergehend informieren will: Auf dieser Homepage gibt es viele Denkanstöße zum Thema. Dabei verstehe ich jeden Text auch als Gesprächsangebot!
Last not least halte ich mich an den Rat von Harald Welzer, den er vor Jahren gab: Überlege, welche Spielräume zum Handeln du hast! Nutze deine Freiheiten für Aktionen, die dich nicht überfordern, dich aber – möglichst zusammen mit anderen – ein kleines Stück nach vorne bringen, auch was die geistige Auseinandersetzung mit dem Thema angeht! Schweigen tun die meisten eben zu lange. Auch bei diesem Thema.
