Bevor es in Vergessenheit gerät: „Aus voller Kehle – für die Seele“ – so lautete das Motto einer besonderen Veranstaltung, die Patrick Bopp am 18. September 2025 in der gut gefüllten Stiftskirche zu Tübingen inszenierte und leitete. Eine begeisterte Sänger*innenschar sang so inbrünstig, wie man es dort mit Kirchenliedern (vermutlich) selten zu Gehör bekommt. Für mich war das Besondere daran, dass auch ein Lied zur Aufführung kam, das sich nun entschieden von Religion distanziert. Und niemand schien Anstoß daran zu nehmen! Die Älteren unter euch Lesern kennen es bestimmt: Es ist John Lennon’s „Imagine“ aus dem Jahre 1971, ein Traum von und Appell zu einer friedlichen Welt. Wie heißt es da:
Imagine there's no heaven
It's easy if you try
No hell below us
Above us only sky
...
Nothing to kill or die for
And no religion, too
Offensichtlich erkennt Lennon die Religionen als Quelle von Krieg und Gewalt, die es darum zu überwinden gelte. Fairerweise würde ich hinzufügen: Das Problem liegt eher im Missbrauch der Religionen begründet, denn ich kenne Christen, Muslime, Juden und Anhänger anderer Religionen, wie dem Hinduismus, eher als friedliebende Menschen – genau wie Atheisten.
So sehe ich den zwanglosen Umgang mit dem Lied in der Kirche, der – nach meinem Wissen – keinen Aufruhr erzeugt hat, als ein ermutigendes Zeichen. Nämlich dass sich die Kirche abseits aller Dogmen dem Menschen und seiner Sehnsucht nach Frieden zuwendet und ihn diese gerne in ihren „heiligen Hallen“ zum Ausdruck kommen lässt, auch wenn sie sich dabei infrage stellen lässt.
Beachte: Das obige Beweisfoto ist zwar manipuliert, aber nicht verfälscht. Ich habe lediglich den projizierten Liedtext vergrößert, um dessen Lesbarkeit zu erhalten.
