Gott schuf den Menschen

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  • Beitrag zuletzt geändert am:29. Juli 2026

Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, so steht es in der Bibel. Sind wir Menschen darum auch irgendwie göttliche Wesen? Wem diese Vorstellung doch etwas seltsam anmutet, dem kann ich eine Alternative bieten: Vielleicht wird ein Schuh daraus, wenn wir sagen: Nicht Gott schuf den Menschen, sondern die Menschen schufen Gott nach ihrem Bilde, will sagen: nach ihren Bedürfnissen. Unser Leben ist prekärer Natur, jederzeit bedroht von Krankheit, Unfall, ja plötzlichem Untergang. Kein verlässlicher Halt, nirgends. Wäre es da nicht eine großartige Idee, wenn wir uns einen „Vater unser“ als ein allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen denken könnten? Wenn er aus ganz menschenskindlicher Perspektive betrachtet uns jederzeit beschützen und für uns sorgen würde? Wenn wir Schwestern und Brüder im Glauben alle Kinder Gottes wären? Wenn er seinen einzigen Sohn schicken würde, um uns vor dem Unheil zu bewahren?

Nach dieser Aufzählung fehlen aus der Galerie der jedem vertrauten Kleinfamilie eigentlich nur noch Mutter und Tochter. Können wir im ersten Fall die „Mutter Gottes“ als seltsame Chimäre benennen, bleibt die Rolle der Tochter leider unbesetzt. Oder war das was mit „Tochter Zion“? Ich weiß nicht.

Jedenfalls scheint die Installation einer Kleinfamilie als Modell für das Miteinander der Gotteskinder eines Volkes höchst sympathisch und damit die Eingangsthese plausibel. Mir ist diese Vorstellung jedenfalls wesentlich einleuchtender als die kolportierte Tradition.

Bedauerlicherweise wird den Kindern heute Gott immer noch als ein reales Wesen vorgestellt, obwohl niemand einen Beleg für seine Existenz nennen kann. Kein Erwachsener in unserer Gesellschaft würde in einem anderen Kontext solch wilde Behauptungen, wie sich in der Religion zuhauf finden, je akzeptieren, sondern kurzerhand als Fake deklarieren! (Wer mehr zum Thema erfahren möchte, der prompte doch einmal den Alleswisser seines Vertrauens: „Mit welchen Ansichten erregte Ludwig Feuerbach seinerzeit für Aufsehen?“)

Doch warum schreibe ich dies alles in einem Blog, der sich ja doch meist um die menschengemachte Klimakrise dreht? Mir scheint nämlich, dass viele meiner Zeitgenossen in ihrem Realitätssinn weit unter ihren geistigen Fähigkeiten und dem verfügbaren Informationsstand zurückbleiben. Dass sie lieber davon träumen, es könne alles so bleiben, wie es ist, oder schlimmer noch: es müsste alles so schön werden, wie es früher (angeblich) einmal war. Dass sie also, wie bei der Religion, ihren kühlen Verstand ausschalten und drängende Fragen lieber ungeklärt lassen. Sich kritische Betrachtungen vom Leibe halten wollen. Ich meine, nur wenn wir uns ehrlich machen, haben wir eine Chance, halbwegs unbeschadet aus dem human predicament, wie Nate Hagens es nennt, herauszukommen.

Und weitergedacht: Vergöttern wir nicht unsere Wirtschaft, beten sie geradezu an? Spannen wir nicht den Karren vor den Esel, indem wir davon reden, alle müssten mehr arbeiten oder man müsste die Binnennachfrage stärken, um die Wirtschaft anzukurbeln? Muss der Mensch der Wirtschaft dienen oder sollte es nicht doch eher umgekehrt sein? Sollten Millionen Arbeitnehmer Angst haben müssen vor der Anwendung Künstlicher Intelligenz oder sollten von dieser Technologie nicht alle Nutzen ziehen, statt nur die (Groß-)Unternehmen? Es scheint ja mittlerweile zum Allgemeingut des Wissens zu gehören, dass das andauernde Wirtschaftswachstum, das bislang immer mit erhöhtem Energie- und Ressourcenverbrauch einher ging, die planetaren Grenzen sprengt und uns so in den Untergang zieht. Doch nirgends sehe ich diese Einsicht in den täglichen Wirtschaftsnachrichten reflektiert. Da beteiligt man sich lieber an der Diskussion um den Tankrabatt, einem staatlichen Förderprogramm der fossilen Drogensucht.

Ähnlich wie Ludwig Feuerbach mit der Religion stellen nach meiner Meinung Menschen wie Nico Paech das Konstrukt der Wirtschaft vom Kopf auf die Füße, indem sie vom Menschen her denken und nicht von besagten Göttern.

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