Das Video mit dieser Zahl im Titel von der etablierten Astrophysikerin Becky Smethurst hat es mir angetan. Seit seinem Erscheinen schwirrt es durch meinen Kopf. Ehrlicherweise macht sich meine Erregung weitgehend an der schieren Zahl fest, auch wenn sie – ins Deutsche übersetzt – nicht ganz so riesig wirkt. Da sind es „nur“ 2 Billionen, wegen der langen und kurzen Skala, aber immerhin doch zwei Millionen Millionen!
Die weiteren astrophysikalischen Überlegungen des Videos sind sicherlich auch sehenswert, aber es knüpft eben inhaltlich an meine Wahrnehmung der Hubble Ultra Deep Field Fotografie. Schon damals, in 2010, wurde offenbar, dass wohl mehr als 10^22 Sterne am Himmel stehen. In Langform also über 10.000.000.000.000.000.000.000.
Ein Leben lang habe ich mich in die fernen Welten des Universums hineingedacht mit ihren schwindelerregenden Ausdehnungen, Energieumsätzen, Massenkonzentrationen und Prozessen, die sich einerseits über Milliarden Jahre hinziehen, dann aber in Sekundenbruchteilen kataklysmische Eruptionen hervorbringen wie Supernovae oder das Verschmelzen Schwarzer Löcher bzw. Neutronensternen. War und bin fasziniert von der theoretischen Vorhersage von Gravitationswellen und ihrem tatsächlichen Nachweis.
Wie hart kontrastieren diese Phänomene doch mit unserem menschlichen Leben! Nur weil unser Planet mit seiner friedlichen Sonne in einer ruhigen Gegend der Milchstraße einmal in 230 Millionen Jahren um deren Zentrum „herumschippert“, konnte sich irdisches Leben entwickeln. Im Universum ist eben eine Menge Platz für Überhitztes, ultra-Kaltes, immens Gedrängtes und erschreckend Leeres.
Gleichzeitig war und bin ich immer wieder beeindruckt von der Ambivalenz der monströsen Realität einerseits gepaart mit der totalen Irrelevanz andererseits. Auch wenn sich im supermassiven Schwarzen Loch von M87 6,5 Milliarden Sonnenmassen aufeinander drücken: Weder diese Tatsache noch unser Wissen darum ändert irgendetwas an unserem Leben!
Apropos Leben: Können wir irgendeinen Grund benennen, warum auf den unzähligen Planeten dieses Universums – es gibt davon wohl mindestens so viele wie Sterne – warum also dort im Unendlichen verstreut kein Leben existieren sollte? Warum nicht andere Wesen auf unsere Galaxie blicken, so wie wir auf sie? Nein, können wir nicht!
Leider werden wir nach allem, was wir heute über die Welt verstehen, niemals in Austausch kommen mit den Zivilisationen oder dem, was dort an Lebendigem zur Blüte kam oder kommen wird. Ja nicht einmal die Milliarden Planeten in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, werden wir besuchen können oder mit deren Bewohnern – so sie existieren – kommunizieren. Falls es aber doch möglich wäre: Worüber wollten wir uns unterhalten? Vielleicht darüber, dass wir uns vielleicht nicht ganz unähnlich sind in der Beziehung zum großen Ganzen: Denn das Weltall zeigt sich völlig unbeeindruckt von unserem Dasein. Ohne uns würde es genauso seinen Lauf in eine unergründliche Zukunft nehmen. Und vielleicht auch darüber, dass sich, auf der Zeitskala gesehen, ein einzelnes Leben nicht mehr als ein winzliches Fünkchen im großen Weltenfeuer ausnimmt.
