Unter Dunkelflaute versteht man eine Wetterlage, wo der Himmel bewölkt ist (=dunkel) und kein Wind weht (=Flaute).
Für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen wie Windräder und Photovoltaik-Anlagen (=Solarpaneele) bedeutet dies einen drastischen Rückgang oder gar Ausfall ihrer Leistung.
Weil mittlerweile in Deutschland über die Hälfte des Stroms aus den Erneuerbaren stammt, müssen darum entsprechende Reserve-Kapazitäten vorgehalten werden, damit bei uns die Lichter nicht ausgehen. Heutzutage sind dies typischerweise noch Steinkohle- oder (Erd-)Gaskraftwerke. Mit zunehmender Dekarbonisierung werden nach und nach elektrische Batterien (besser: Akkus) und mit Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke an ihre Stelle treten. Der dazu benötigte Wasserstoff wird mithilfe von grünem Strom aus Wasser gewonnen und in großen unterirdischen Gasspeichern vorgehalten.
Am 11.12.2024 nun kam es – wie jedes Jahr zu erwarten – zu einer Dunkelflaute, in dessen Folge der Strompreis kurzzeitig auf ungefähr 1 Euro/kWh anstieg, also einem mehr als zehnmal höherem Wert als üblich. Was war passiert – und wie reagierten einschlägige Medien?
- Die Bildzeitung titelte am 17.12.2024: „Dunkelflaute wird zur ernsten Gefahr“ und schrieb weiter: „Jetzt geschieht, was lange befürchtet wurde: Deutschland geht der Strom aus…“
- Die Frankfurter Allgemeine schreibt am 29.12.2024 unter dem Titel „Licht aus“: „Mit der Dunkelflaute hat es jetzt jeder begriffen: Die Energiewende ist gescheitert.“
- Die WELT Netzreporter stellen fest: „ENERGIEKRISE: Strompreise explodieren durch Dunkelflaute! Muss Deutschland zurück zur Atomkraft?“
Das sind sie, die alternativen Fakten bzw. die Desinformation. Denn es gibt nämlich gar keine Energiekrise! Bevor ich im Detail auf den Boden der Tatsachen zu sprechen komme, möchte ich noch Jens Spahn der Falschaussage überführen: Im WELT Netzreporter-Video sagt er bei Minute 1:30: „Wir schrappen immer wieder mal, auch gestern, an der Frage der Versorgungssicherheit vorbei, dass möglicherweise Industrie abgeschaltet werden muss, weil nicht genug Strom da ist. Erste wichtige Maßnahme wäre mal, keine weiteren Kraftwerke abschalten“. Spahn stellt sich so dar, als wüsste er nicht, wer in Deutschland wann welche Kraftwerke zu- und abschaltet. Doch der Reihe nach:
Wie sich herausstellt, war und ist Versorgungssicherheit jederzeit gegeben, weil viel mehr Kraftwerks-Leistung bereit steht, als benötigt. Wie dieser Beitrag der PlusMinus-Redaktion aufzeigt, hat jedoch am 11.12.2024 ein Drittel der in Deutschland verfügbaren Kraftwerksleistung gefehlt – aus bislang undurchsichtigen Gründen. Dahinter stehen offensichtlich wirtschaftliche Überlegungen der Kraftwerksbetreiber. Das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur wollen prüfen, ob Marktmanipulation vorliegt. Ja, für wenige Stunden schoss der Strompreis exorbitant hoch, doch lagen in 2024 die Strompreise an der Börse im Schnitt um 15% niedriger als in 2023!
Wer sich näher informieren will, dem sei das ganze Video mit dem nüchternen Titel „Gas- und Kohlekraftwerke lieferten in der Dunkelflaute keinen Strom“ empfohlen. Davon unabhängige und mir vertrauenswürdige Quellen (1, 2) bestätigen die hier vorgestellte Analyse.
Die Energiewende hin zu ausschließlich Erneuerbaren geht voran, wie in meinem eigenen Beitrag erläutert. Aber sie steht politisch unter Beschuss. Darum sollten wir intensiv die Desinformation bekämpfen, wie sie von BILD, Welt, FAZ, CDU/CSU und anderen betrieben wird. Sonst wählt Deutschland eine Energie-Politik, die es vielleicht gar nicht haben will!
Wer sich noch sicherer fühlen möchte, dem seien die Videos von Dr. Patrick Sauter von der Ingenieurskunst empfohlen, z.B. dieses.
Danke, Martin, für Deinen Überblick zum Thema Fakenews über die Energieversorgung bei Dunkelflaute! Besonders empfehlenswert anzuschauen: das PlusMinus-Video, das kompakt zusammenfasst, welche Fragen an die Kraftwerksbetreiber offen geblieben sind (Strompreistreiberei) und – kommentiert von einem Professor – welche Stellschrauben noch nicht benutzt werden.