Wäre der Planet Erde eine reguläre WG, also Wohngemeinschaft, hätte es schon längst einen großen Krach unter den Bewohnern gegeben. Denn die einst kleine Minderheit der Gattung homo hat sich über die Maßen breit gemacht. Sie plündert den Kühlschrank, macht viel Dreck, lässt den anderen Bewohnern keinen Platz mehr, ja raubt ihnen die Lebensgrundlage. Dass es bislang nicht zum offenen Streit gekommen ist, verdankt sich einzig der Tatsache, dass alle anderen außer uns Menschen ihren jeweiligen katastrophalen Untergang nicht bemerken.
Was über viele Millionen Jahre in üppiger Fülle blühte und gedeihte, droht nach kontinuierlichem Schrumpfen bald ganz zu verschwinden. Wir nennen es hochtrabend Biodiversitätskrise (besser hier), doch genau betrachtet ist es eine gnadenlose Ausrottung.
In seinem sehenswerten Video über die Hybris (Hochmut) des Menschen zeigt Johannes Krause diese Grafik:
Machten vor 10.000 Jahren die Menschen inklusive ihrer Haustiere nur 0,1 % aller Säugetiere aus, so sind es heutzutage 97%! Die großen Symbole im Bild verweisen auf die wichtigen Weichenstellungen: Der Neolithischen Revolution damals folgte die Industrielle vor etwa 250 Jahren. In deren Folge schoss die Menschen-Bevölkerung unfassbar in die Höhe auf etwa 8 Milliarden. Etwas anschaulicher zeigt diese Grafik die Verhältnisse im Jahr 2015:
Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sich diese Situation in weiteren 50 Jahren darstellt, sollten wir nichts Ernsthaftes dagegen unternehmen. Ich bewundere die abertausende Menschen, die sich in den Dienst der Bewahrung des nicht-menschlichen Lebendigen stellen!
Leider müssen wir konstatieren, dass mit der fortschreitenden Industrialisierung ein Tsunami, eine nicht aufzuhaltende, tödliche Menschenwelle, über unsere Verwandten im einzigartigen Baum des Lebens auf dieser Erde hereingebrochen ist. Das schmerzt mich, als beinahe ohnmächtiger Teil dieser Welle, sehr. Genauso wie die Tatsache, dass dieses Thema regelmäßig nur Randnotizen der täglichen Berichterstattung im Fernsehen füllt und damit neben anderen menschengemachten Kriegen und Krisen untergeht.
