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Die vier Fragen

Klimawandel

1. Haben wir überhaupt ein Problem?

Für mich übersetzt sich diese Frage dahin, ob ich den Experten, d.h. hier Klimaforschern wie Hans Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf, und Mojib Latif Glauben schenke bzw.ob ich die Ausführungen engagierter und kompetenter Zeitgenossen wie Harald Lesch und Richard David Precht für seriös halte. (Ich habe im letzten Satz jeweils Videos verlinkt.) Da sollte sich jeder seine Meinung bilden! Ich kann nicht anders, als deren Sicht der Dinge für relevant zu halten. Und es sind ja beileibe nicht nur diese Herren ...

Aber es gibt auch solche Stimmen: "Also, es wird nirgends so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Die sogennanten Klimaexperten wollen doch vor allem Aufmerksamkeit erheischen und ihre akademische Karriere befördern ($$$$/€€€€!). Da kommt ein Untergangsszenario doch gerade recht, zumal sie auch genau wissen, was zu tun ist: Kehret um und tut Buße! Sorry, das ist mir zu simpel..."

2. Geht mich das etwas an?

Diese Frage hat mehrere Aspekte. Zunächst: Bin ich davon betroffen? Vielleicht wird mein Leben ja beendet sein, bevor sich der Klimawandel zu einer Klimakatastrophe auswächst. Von daher käme ich noch einmal davon.
Dem nächsten Aspekt kann ich aber nicht entfliehen: Ich bin Teil des Problems! Ich habe, wie die meisten meiner Mitmenschen, zu dessen Entstehung beigetragen und habe bis heute mein Leben nicht radikal umgestellt. Natürlich unterstelle ich niemandem, dass sie oder er vorsätzlich schädigend gehandelt hat. Es war ja gerade die Leichtigkeit, mit der wir die Annehmlichkeiten des Wohlstands genossen haben - ohne schlechtes Gewissen.
Weiterhin muss ich mir überlegen, was ich denn meinen Kindern oder Enkeln sage, wenn sie mich diesbezüglich fragen? "Das haben wir alle nicht gewusst?" oder "Was hätte ich als einzelner da schon tun können?" Hört sich bekannt an, oder? Hatten wir schon einmal nach '45.

Oder aber: "Nee, jetzt mal echt: Ich habe die Welt nicht erschaffen, da brauche ich sie auch nicht zu retten, oder? Von mir aus können's die Schüler ja mal versuchen :-)"

3. Könnte ich etwas dagegen tun?

Wer auf dieser Welt, wenn nicht die frei Lebenden, Gebildeten, Wohlhabenden, Reflektierten und Gemeinwohlorientierten, sollte denn etwas tun können? Wenn wir uns dazu zählen wollen, müssen wir die Frage wohl mit ja beantworten.

Oder aber: "Ich wäre ja größenwahnsinnig, wollte ich glauben, dass ich da irgend etwas bewegen könnte. Klar, ein paar Spinner gibt's immer. Aber die gab's auch schon vor 20 Jahren. Und was haben sie verhindert - nichts!"

4. Sollte ich etwas dagegen tun?

Ach, wer weiß schon, was in hundert Jahren sein wird!  Da können noch so viele Umwälzungen die Menschheit durchschütteln - und alles, was wir jetzt tun, wird dadurch nutzlos verpuffen. Wer hätte Ende des 19. Jahrhunderts in Europa gedacht, was im 20. auf uns zukommt? Zwei Weltkriege, Weltwirtschaftskrise, Holocaust und Atombomben, um nur mal ein paar negative Seiten aufzuzählen.

Als kleiner Mann kann man da sowieso nichts ausrichten. Wir sollten uns auf die Technik und die großen Firmen der Welt verlassen! Die wollen schließlich auch überleben - und sind nicht in Kalifornien die besten Ingenieure versammelt? Also wenn die das nicht hinkriegen, dann weiß ich auch nicht. Und dazu mischen die Chinesen mit, schließlich würden die doch mit am stärksten vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein.

Und, wer weiß, vielleicht haben doch höhere Kräfte ein Erbarmen mit der unvollkommenen menschlichen Kreatur und führen das Leben auf der Erde wieder in die richtige Bahn!

Vielleicht ist der Kampf ja auch einfach aussichtslos! Besser, ich nehme noch mit, was die Welt zu bieten hat und schränke mich nicht unnötig ein. Dieses Thema können ohnehin erst zukünftige Generationen bearbeiten, nämlich dann, wenn es richtig weh tut. Erst dann, so lehrt uns die Erfahrung, handelt der Mensch. Dann ist es vielleicht zu spät, um das zu retten, was theoretisch - aber nicht praktisch - jetzt noch zu retten ist. Die Zeitläufte sind eben schicksalhaft, man denke nur an Revolutionen, Kriege und Hungersnöte. So auch hier.

Überdies hat dieser Planet bzw. das Leben auf ihm schon etliche Katastrophen erlebt - und es hat sich immer wieder erholt! Verdanken wir unsere Existenz nicht auch dem Massenaussterben mit dem Niedergang der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren? Und damit dem Asteroiden, dessen Einschlag die weltweite Katastrophe zumindest mitbewirkte? Nicht schön, aber vermutlich wahr. Vielleicht ist es Zeit für eine weitere planetare Zeitenwende.

Gegen diese Betrachtung ließe sich einiges anführen. Mir hat Harald Leschs Hinweis auf Camus'  "Mythos des Sisyphos" gefallen, ich zitiere: "Danach lebt der Mensch in einer Absurdität, die sich aus der Spannung zwischen den Rätseln der Natur, der Sinnwidrigkeit der Welt auf der einen Seite und dem ewig menschlichen Verlangen nach Klarheit und Sinn auf der anderen Seite ergibt. Der Mensch muss diese Absurdität erkennen, sie annehmen und gegen sie revoltieren. In dieser Revolte gegen das Absurde kann der Mensch sich selbst verwirklichen und seine Freiheit finden. Darin liegt für Camus die Bejahung des Lebens, sei es auch noch so hart und widersinnig. Der Mensch gleicht darin der Figur des Sisyphos, den die Götter dazu verurteilt hatten, unablässig einen Fels einen Berg hinauf zu wälzen. Oben angekommen, rollte der Fels wieder in den Abgrund. Sisyphos stieg hinab und begann sein sinnloses Tun von Neuem. ...
(Harald Lesch und Klaus Kamphausen: "Wenn nicht jetzt, wann dann? Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen" Penguin Verlag 2018, Seite 73)

Oder anders gesagt: Never give up - Aufgeben ist keine Option!

Und nicht zuletzt: Wollen wir uns nicht solidarisch zeigen mit  all den Vorkämpfern auf der Welt, zuletzt in diesen Landen: z.B. den Baumbesetzern vom Hambacher Forst und den Aktivisten des bayerischen Bürgerbegehrens von 2019?



 
 
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